– Ich han Angst

Traumatisierte Menschen wollen das Traumatische vergessen. Die Angst ist die Verbindung zum Traumatischen. Also wollen sie von der Angst nichts wissen. Aber dieser Umstand macht sie anfällig für alle Arten von Missbrauch. Denn sie wollen ihre Angst nicht wahrhaben – lieber halten sie an einer Fassade fest und bleiben deshalb trotz Missbrauch still.

Ich empfinde Truur

Meine rechte Schulter knackst fast bei jeder Bewegung. Ich habe aufgehört Steine weit werfen zu wollen, weil dies Schmerzen verursachen würde. In der letzten Zeit bemerkte ich auch, dass ich generell im rechten Arm ein Schwächegefühl empfinde und sich teilweise auch Schmerzen bemerkbar machen. Dass mein rechter Arm in seiner Funktion eingeschränkt ist, habe ich spätestens während meiner Arbeit als Serviceangestellter bemerkt, als ich immer leichte Schmerzen bekam, wenn ich einen Tisch mit der rechten Hand putzte. Ich weiss nicht genau warum ich diese Beschwerden habe. Der Ursprung könnte ein Snowboardumfall aus ca. dem Jahre 2003 sein, bei dem ich auf der rechten Seite Elle und Speiche gebrochen habe. Aber die Beschwerden kommen erst jetzt wirklich. Vielleicht ist es auch erst vor ein paar Jahren passiert, aber ich kann mich nicht erinnern, was ein spezifischer Auslöser hätte sein können. Ich habe jetzt im Internet gesucht und bin da auf den Begriff Rotatorenmanschettenruptur gestossen. Man kann operieren.

Ich han Angst.

Guet.

Ich han Angst

Mein kaputter rechter KieferHilft mir traurig zu sein
Mein instabiler rechter FussHilft mir traurig zu sein
Mein schmerzempfindliches rechtes HandgelenkHilft mir traurig zu sein
Meine kraftlose rechte HandHilft mir traurig zu sein
Meine freigelegten ZahnhälseHelfen mir traurig zu sein
Meine schmerzempfindliche ehemalige Bruchstelle am SchlüsselbeinHilft mir traurig zu sein
Meine TrauerHilft mir weniger Angst davor zu haben

Ich han Angst

Ein schöner Ferientag vor ca. 30 Jahren – eine hässliche Erinnerung

Wir verbrachten unsere Weihnachtsferien zusammen als Familie in unserem Ferienhaus. Draussen ist schönes Wetter. Wir haben ausgiebig und gut gefrühstückt. Es ist ca. zwischen zehn und elf Uhr. Meine Mutter befindet sich vermutlich bereits wieder in der Küche. Sie räumt auf. Ich befinde mich am oder in der Nähe des Esstisches. Mein Vater sitzt nach wie vor am Esstisch. Kontextlos und für mich völlig überraschend und unbegreiflich beginnt mein Vater mich zu beleidigen. Inhaltlich sind die Wörter so von der Art:

  • Du bist ein Versager
  • Du bist ein Weichei
  • Du bist ein Warmduscher
  • Du bist ein Schwächling

Leider kann ich mich an ein spezifisches Beleidigungswort nicht mehr erinnern. Dies weil ich es seit auch ungefähr drei Jahrzehnten nicht mehr gehört habe. Es ist ein eher altmodisches Beleidigungswort. Ich bin überzeugt, dass wenn ich dieses Wort wieder einmal hören werde, ich es sofort als das spezifische Beleidigungswort identifizieren kann, an welches ich mich jetzt nicht mehr erinnern kann. Ich glaube, dass diese Erkenntnis für mich der letzte und absolute Beweis wäre für diese traurige, beschämende und verletzende Erinnerung an einen unerhörten Akt der Gewalt meines Vater mir gegenüber.

Mein Vater (rechts)

Ich han Angst

Mein Vater (und vielleicht auch meine Mutter) hat mir irgendwie beigebracht, dass ich sterbe, wenn ich Angst (Flucht) und Trauer (Weinen) zeige. Wobei es bei meinem Vater zusätzlich noch die Wut (Kampf) war.

Traumatisierte GefühleTraumatisierte Gefühle
Vor wem?Vater:Mutter:
Grundgefühl?Angst, Wut, TrauerAngst, Trauer
Codename?Angst1, Angst2, TrauerAngst1, Trauer
Mit dem Gefühl verbundene Handlungsweise?Flucht, Kampf, WeinenFlucht, Weinen

Dadurch, dass bei mir Angst, Wut und Trauer traumatisiert sind, kann ich die damit verbundenen Handlungsweisen (Flucht, Kampf sowie Weinen) überhaupt nicht kontrollieren. Diese Unkontrollierbarkeit macht mir Angst. Nun muss ich diese Handlungsweisen (Flucht, Kampf und Weinen) immer wieder erleben, um ein Gefühl der Kontrolle über sie zu erlangen und die damit verbundenen Grundgefühle dadurch zu enttraumatisieren.

Hierbei dienen mir folgende Gegebenheiten:

  • Schmerzen in der Hüfte (Weinen)
  • Zahnbeschwerden wegen Weisheitszahnentfernung (Weinen, Kampf)
  • Kontaktabruch Z (Weinen, Kampf)
  • Beziehung zu Eltern (Flucht, Weinen, Kampf)
  • Mein Job (Weinen, Flucht, Kampf)

Ich empfinde Truur. Das tuet mier Leid. DANKE!!! ;-(

Wie ich mich vielleicht als Kind gefühlt haben könnte

Vielleich sah ich es als meine Aufgabe an meinen Eltern zu bestätigen, dass alles was sie tun, cool sei.
Bis ich die Demütigung, die emotionale Vernachlässigung, das Nichtgesehen werden, die Empathielosigkeit, die emotionale Gewalt und die Ungerechtigkeit nicht länger ertragen konnte.
In diesem Moment endete meine…
Kindheit.

Ich han Angst. Das tuet mier Leid. ALLES GUET.

Vielleicht war Z das erste Mal, wo ich mich bedingungslos geliebt habe.

Meine Mutter hat mich auch bedingungslos geliebt, aber weil mich mein Vater emotional missbrauchte, konnte ich diese von ihr nicht akzeptieren. Weil er ihr mindestens so wichtig war wie ich ihr.

Empfinde ich Truur? Ja. Das tuet mier Leid. DANKE FÜR DIS MITGFÜHL. Bitte.

Ich han Angst. Das tuet mier Leid. DANKE. Bitte, gern gscheh :-).

  1. Ich habe Angst vor Frauen, weil ich befürchte sie ungerechtfertigt anzugreifen.
  2. Ich habe Angst vor Männer, weil ich befürchte, dass sie mich angreifen und ich mich nicht wehren kann.

Warum? Wegen Kindheitstraumatas.

Weil das Erste zwischen mir und meiner Mutter passiert ist, weil ich wütend war, weil mir das Zweite durch meinem Vater passiert ist.

Und jetzt hani de Salat.

Nadia (11.9.2023)

Nadia leidet auch unter grossen Ängsten. Von ihrem Vater hat sie nie die bedingungslose Liebe erfahren, welche jeder Mensch verdient. Ihr Vater war ihr gegenüber immer wieder abwertend und gewalttätig. Unter so einem Menschen gross zu werden, verunmöglicht die Entwicklung eines gesunden Selbstvertrauens. Warum? Weil man die ganze Zeit darauf bedacht ist dem Elternteil zu gefallen, damit man nicht wieder in die Schusslinie kommen kann, was aus Sicht eines Kindes lebensgefährlich ist.

Ich habe mit meinem Vater dasselbe erlebt und leide seither auch unter einer Angststörung. Eine Angststörung ist, wenn man jahrzehntelang die eigene Angst verdrängt hat, weil man sie mit akuter Lebensgefahr verbindet. Aber ein Leben ohne Angst ist erstens ein gefährliches und ungesundes Leben und zweitens ein sinnloses Leben, weil man grundsätzlich im Leben nur entweder:

  • Gefühle haben kann.

Oder

  • keine Gefühle haben kann.

Ein Leben ohne Angst ist also auch ein Leben ohne Gefühle und deswegen meiner Meinung nach sinnlos. Nadia und ich haben es geschafft über unsere Angst zu reden und die Angst in unser Leben zu lassen und haben dabei festgestellt, dass es nicht mehr (so) gefährlich ist, wie es früher war, als die Angst uns zur Zielscheibe unserer Väter hat werden lassen. {Empfinde ich Truur? Ja.} Deswegen sind wir bereit zu unserer Angst zu stehen.

Han ich Angst? Ja

Die Acht Regeln des Patriarchat

  • Lasst uns die Kuh missbrauchen.
  • Lasst uns die Frau missbrauchen.
  • Lasst uns die Umwelt missbrauchen.
  • Lasst uns die Seele missbrauchen.
  • Lasst uns die Angst missbrauchen.
  • Lasst uns die Trauer missbrauchen.
  • Lasst uns die Wut missbrauchen.
  • Lasst uns die Müdigkeit missbrauchen.

Han ich Angst? Ja.