Die Sorge um einen selber – was eine hartnäckige Art von Egoismus ist – macht aus einer Mücke einen Elefanten und dieser Elefant verdeckt einem die Sicht auf die lebendige Wirklichkeit.
Gastautoren
-Der Anonymius- (1)
Lieber schöner Mensch
Du gibst in deinem Leben so soo viel Effort in verschiedenen Bereichen. Wir sind wie Kinder, die noch spielen. Und doch stellt sich nicht Erfolg ein. Nicht oft.
Lass doch für einmal, für einen Moment, deine Sorgen fallen.
Findest du nicht Gelassenheit in dir selbst, wirst du Gelassenheit nirgends finden. Was man nicht in sich selbst findet, findet man nirgends. Deshalb wird es nie Frieden geben, wenn man nicht weiss, was Frieden in sich drin ist. Das heisst auch, Frieden mit sich schliessen. Alles Leben ist heilig. Das kann man nur begreifen, wenn man Heiligkeit in sich selbst sieht. Heilig kommt von ‚heil, ganz‘. Es ist es wert, zu entdecken, sonst verpasst man wohl etwas.
-Der Anonymius-
Angst?
> Seither ist er dort im Gefängnis.
Ist das deine Antwort auf meinen Eintrag über Ausreden? Dann muss ich mein Hirn ankurbeln, um herauszufinden, wie du das meinst. Herr Zurken, interpretieren Sie Michel! Meinst du damit, man sollte mich einsperren? Das wohl nicht.
Oder du meinst, wenn man eine Reise tut, muss man Angst haben, eingesperrt oder überfallen zu werden? Ja, stimmt. Kann alles passieren. Egal, was man tut, kann immer was passieren.
Wir beide hatten ja in Kiew eine Art Überfall, du erinnerst dich? Du hast doch cool reagiert, bist nach vorn gelaufen und hast Verstärkung geholt, und wir konnten wegfahren. Alles gut gegangen. Witzig war, dass du das vorausgesehen hast. Offenbar hattest du mal wieder Angst, und in dem Fall ist es tatsächlich passiert. Aber wenn man immer Angst hat, kann man so eine Reise nicht genießen, dann sollte man es besser lassen. Oder die Angst vorher wegmachen.
Ich habe mir gedacht: Es darf ALLES passieren, auch der Tod. Alles, was kommt, ist richtig. Alles, was passiert, ist das, was auch passieren soll. Dann hat man keine Angst und man kann die Reise genießen. So geht es mir auch mit dem Leben: Alles, was kommt, ist richtig.
Ausreden
Nach meinen bisherigen Einträgen wirst du dir vielleicht denken können, wie meine Meinung ist. Möchtest du dein Leben mit Jammern verbringen? Ja, warum nicht? Kann man machen, aber ist das ein gutes Leben? Ich meine nein, ist es nicht. Du tust jetzt gerade das, an das du dich im Alter erinnern musst.
Mach irgendwas, egal was. Geh auf Weltreise mit Fahrrad, auf dem Helm eine Kamera, und die Videos lädst du auf YT hoch. Wenn du zurück bist, gehst du zu deinem Vater und sagst: „Du bist ein Versager, du hast nichts erlebt und keine Ahnung vom Leben.“
Zum Beispiel. Oder werde Diktator und regiere die Welt.
Ich weiß, egal, was ich vorschlage, du wirst sagen: Nee, das geht nicht, weil …
Die lustigste Ausrede, die ich je hörte, ist: „Aus Angst in irgendeiner Art davon abhängig zu werden.“ Von Heilern, Wahrsagern und Astrologen. Ischkannitmä!
Aber das ist normal, die meisten Menschen verbringen ihr Leben mit Ausreden. Ausreden sind Lügen, die man sich selbst erzählt. Hör ihnen zu, den normalen Menschen, sie erzählen sich Lügen.
Mit Jammern kann man nicht berühmt werden, sollte man meinen. Aber doch, es gibt einen:
“Abu Muhammad Ata as-Salimi. Ata sah aus wie ein vertrockneter Schlauch. Ata schien nicht von dieser Welt zu sein. 40 Jahre soll er auf seinem Lager gelegen haben, ohne dass er den Mut aufgebracht hätte, aufzustehen oder gar aus dem Haus zu gehen. In der Nacht betastete er seinen Leib aus Angst, in ein niedrigeres Wesen verwandelt worden zu sein. Wenn er erwachte, sagte er: „Weh dir, Ata, weh dir!“ Erwähnte zufällig jemand den Tod, pflegte Ata in Ohnmacht zu fallen. Atas Gebet war kaum mehr als ein Hilfeschrei: „Oh Gott, hab Erbarmen mit meiner Fremdlingschaft im Diesseits. Hab Erbarmen mit meiner Niederstreckung im Tod. Hab Erbarmen mit meinem Alleinsein im Grab. Hab Erbarmen mit meinem Stehen vor dir!“
Die einen und die anderen
> Aus Angst in irgendeiner Art davon abhängig zu werden.
> Weil ich bei der Krankenkasse keine Zusatzversicherung abgeschlossen habe.
Verzeih mir, wenn ich mich amüsiere. Genau so eine Antwort hatte ich erwartet. Du bist ja nicht der einzige mit einer Angststörung. Eine Freundin gab es zu: Im Grunde wollte sie ihre Ängste nicht loswerden. Ein Leben ohne Angst konnte sie sich nicht vorstellen. Ihr würde ja etwas sehr Wichtiges fehlen.
> wenn man als Kind vorgelebt bekommt, dass es Angst, Wut und Trauer nicht gibt?
Ging mir auch so. Meine Eltern haben mir sogar vorgelebt, dass es Sexualität nicht gibt. Zu meiner Zeit wurde auch in der Schule nicht darüber geredet.
Na und?
Sie mussten mir nicht zeigen, wie wichsen geht, das fand ich als 12-jähriger selbst heraus. Und alle anderen Gefühle hatte ich auch ohne dass die Eltern sie mir hätten vorleben müssen. Als ich 20 war, fand ich einen Freund, mit dem ich über alles reden konnte.
Es gibt 2 Gruppen von Menschen. Die erste sagt: Für alles, was ich bin und was mir passiert, sind Umstände und andere Menschen verantwortlich. Zu der gehörst du.
Die zweite sagt: Was ich bin und was mir im Leben passiert, hat mit mir zu tun, habe ich mir selbst ausgesucht oder so gewollt. Zu denen gehöre ich.
Nun sollte man meinen, die ersten haben es leichter, sie sind ja für nichts selbst verantwortlich. Ihnen müsste es gut gehen. Tatsächlich ist es umgekehrt. Die aus der ersten Gruppe jammern und klagen und sind unglücklich. Denen aus der zweiten Gruppe geht es gut. Seltsam, odr?
Heilen
So ist das also. Einer meiner besten Freunde lebte ähnlich wie du und hatte sich längst damit abgefunden. Er arbeitete ein Tag in der Woche bei mir als Taxifahrer. Mehr konnte er nicht. Sonst bekam er Sozialgeld.
Ich kann dir nur sagen, was ich tun würde an deiner Stelle. Keine Psychotherapie, das bringt nicht viel. Ich kenne eine Frau, die könnte dir sagen, was mit dir los ist und wie du da rauskommen kannst. Aber in der Schweiz gibt es auch solche Leute, du musst nicht so weit reisen. Findest du alles im Internet: Heiler, Medium, Astrologen, Wahrsager usw. Probiere so viele aus, bis du einen findest, bei dem du das Gefühl hast, ihm kannst du vertrauen, er oder sie hilft dir weiter. Funktioniert, ich habe bei meiner ein Seminar gemacht. War gut.
Du musst nicht an Wahrsagerei oder übersinnliche Kräfte glauben, probier es einfach aus, du hast nichts zu verlieren, kannst nur gewinnen.
Meinen Freund hätte ich gern zu meiner Astrologin mitgenommen, aber er war streng wissenschaftsgläubig, er machte sich lustig über meine Esoterik.
Erwachsen
Das nennst du Missbrauch? Na gut. Kannst du mal ein Beispiel sagen, was sind das für Kommentare?
So viel ich weiß, bist du erwachsen und lebst wahrscheinlich nicht mehr im Haus deiner Eltern. Was hindert dich daran, dich von deinem Vater emotional abzunabeln und dein eigenes Leben zu leben? Ist doch egal, was dein alter Herr dazu sagt.
Missbrauch
Das klingt nicht gut. Magst du erzählen, was passiert ist und wie alt du warst?
Explosion
Kenne ich, habe ich mal erlebt. Auf der Fahrt von Bishkek nach Hause begleitete mich ein Typ aus Deutschland. Ich hatte ihn eingeladen mitzufahren. Unterwegs wurde er von Tag zu Tag abweisender. Ich sagte mehrmals, er soll sagen, wenn ihm was nicht passt. Nein nein, sei alles okay. Dann kam die „Explosion“. In Kiew packte er seine Klamotten und verschwand. Ist von dort mit dem Flieger nach Hause. Wir sind noch in Kontakt, aber was genau ihn damals aufgeregt hat, weiß ich bis heute nicht. Ist aber alles nicht tragisch. Sag einfach, was du fühlst und denkst. Ich vermute, du wirst entdecken, es geht leichter als befürchtet.
Ich nehme an, es handelt sich um einen konkreten Fall bei deiner Angst. Geht es um mich? Lässt du bei mir deinen Gefühlen nicht freien Lauf? Erzähl mal, worum geht es.
Störgefühle
> Zugang zu einem Gefühl freigeschaufelt
Darauf hätte ich gern verzichtet. Eifersucht braucht kein Mensch. Es ist ein Störgefühl.
> Ist es schön nichts zu fühlen?
Ich habe mich falsch ausgedrückt. Ich meinte, ich fühlte keine Eifersucht, alle anderen Gefühle waren davon unberührt.
> Wie meinst du das? Danach war ich nie wieder eifersüchtig.
Damit meine ich, dass, nachdem sich meine Thai-Freundin von mir getrennt hatte, ich nie wieder eifersüchtig war. Und ich hoffe, ich werde dieses blöde Gefühl auch nie mehr haben.
> Das würde ich also als ‹Bearbeitung› beurteilen.
Gut. Meine Methode war in beiden Fällen gleich. Entspannt hinlegen und nachdenken. Ich war skeptisch, ob das so einfach ist. Aber es geht. Ich kann Störgefühle loswerden durch Nachdenken. Hass und Neid sind auch Störgefühle. Ohne lebt es sich besser. Andere Gefühle versuche ich zu stärken. Lebenslust, das Glück, in der Welt zu sein, Freude über einen sonnigen Tag usw.
Ein Gefühl war äußerst unangenehm, aber auch interessant. Ich habe erlebt, wie sich eine Depression anfühlt. Jedenfalls entsprach mein Erlebnis dem, wie ein Freund seine Depression beschrieb. Es war beängstigend, alles, was ich sah, machte mir Angst. Andererseits wusste ich, dass das, was ich erlebte, wieder verschwinden wird. Ich beobachtete mich dabei, wie ich Angst hatte. Ich fühlte beides: die Angst und die Neugier auf das, was mir da passierte. Wäre dieser Zustand nicht verschwunden, ich hätte mich umgebracht, weil es unerträglich war. Es stellte sich heraus, ich war dehydriert. Nach der Infusion war die Angst weg.
Liebesschmerz ist auch ein interessantes Gefühl. Ob man das braucht, weiß ich nicht. Ich hatte es fast ein Jahr. Ich machte es wie oben: entspannt hinlegen und nachdenken. Ich wunderte mich, es funktionierte diesmal nicht, der Schmerz ließ nicht nach. Erst als ich wieder verliebt war, war er weg. Verlieben ist also die einzig wirksame Therapie bei Liebesschmerz.
Langeweile ist auch interessant. Ich wundere mich immer, wenn Leute sagen, sie hätten sich noch nie gelangweilt. Ich langweile mich oft, sehr oft sogar. Osho sagt dazu:
„Langeweile ich eine der wichtigsten Erfahrungen im menschlichen Wesen. Langeweile taucht nur auf, wenn der Verstand der Erleuchtung näher kommt. Tiere können nicht erleuchtet werden, daher können sie sich auch nicht langweilen.“
Ich würde sagen, nach Glücksgefühlen ist die Langeweile der beste Zustand, den man haben kann. Langweilen kann man sich nur dann, wenn man gesund ist, keine Sorgen und keine Probleme hat.
Verdrängung oder Bearbeitung?
Ich beschreibe mal kurz, wie das bei mir war mit der Eifersucht. Du kannst dann entscheiden, ob das Verdrängung oder Bearbeitung war.
Eifersucht fühlte ich zum ersten Mal mit meiner 2. Frau, ich war 28. Bis dahin hatte sie oft Sex mit anderen und erzählte mir davon. Fand ich gut. Dann fiel ihr ein, wenn ich nicht eifersüchtig bin, bedeutet das, ich liebe sie nicht richtig. Sie provozierte mich so lange, bis ich es fühlte. Aha, dachte ich, das ist also Eifersucht, und das fühlte sich nicht gut an. Es blieb so, ich war jedes mal eifersüchtig, wenn sie einen anderen hatte, und sie hörte nicht auf damit. Ich litt. Aber warum sollte ich leiden? Ich habe mich von ihr getrennt.
Danach dachte ich lange darüber nach, was das ist: Eifersucht und Liebe. Das hier zu beschreiben, wäre zu lang. Ich kam zu dem Schluss, Eifersucht ist unsinnig und gehört abgeschafft. In meiner nächsten Beziehung sollte sie machen dürfen, was sie möchte, ich wollte es ihr gönnen. War auch so. Wir machten zB eine Tour im Wohnmobil durch die Türkei. In Izmir lernte sie einen Holländer kennen und verbrachte die Nacht mit ihm. Alles okay, ich fühlte nichts, keine Eifersucht. Es war klar, sie bleibt bei mir.
Erst viel später fühlte ich wieder Eifersucht. Mit meiner Thai-Freundin. Ich habe sie sehr geliebt, konnte aber nur mit ihr zusammen sein, wenn ich in Thailand war. War ich in Deutschland, schrieb sie mir von ihren anderen Kunden. Wörtlich: „I fuck customer already today.“ Mein innerer Beobachter registrierte erstaunt und amüsiert, ich war eifersüchtig. Obwohl das ihr Job war, davon lebte sie, das wusste ich. Trotzdem fühlte ich Eifersucht. Ich konnte über mich selbst lachen, wie töricht ich war.
Danach war ich nie wieder eifersüchtig. Ähnlich ging es mir mit Flugangst. Nachdem ich lange darüber nachgedacht hatte, und mir eingeredet hatte, wie unsinnig das ist, hatte ich nie wieder Flugangst.
Eifersucht
Naja, duellieren tun wir uns ja nicht, oder noch nicht, vielleicht kommt das noch. Was ist das für eine Theorie, nach der du dir vorstellen kannst, dass ich meine Eifersucht abtrainieren konnte? Eine Theorie zur Eifersucht? Was ist Eifersucht, deiner Meinung nach? Ich nehme an, du warst schon mal eifersüchtig, oder?
Hallo Michel
Trauma. Das Wort kenne ich nur im Zusammenhang mit verstörenden Erlebnissen, Krieg, Vergewaltigung. So was.
„Wenn man denkt, dass man seine Handlungen beeinflussen kann.“
Nach dieser Definition wäre ich in der Tat traumatisiert, ich glaube, ich kann meine Handlungen beeinflussen, ich glaube, ich habe einen freien Willen. Ich kann mich zB entscheiden, nicht mehr eifersüchtig zu sein, also ein Gefühl abzuschaffen, das ich lästig und überflüssig finde. Und es ist mir gelungen. Nicht perfekt, aber für den Hausgebrauch gehts 🙂
Indem ich das Gefühl abgeschafft habe, habe ich auch mein Handeln beeinflusst.
Ich glaube, ich hatte nie Angst zu sterben. Als ich jung war, wollte ich nicht sterben, ich wollte ewig leben, weil leben sich so gut anfühlte, das sollte nie enden. Ich nahm mir vor zu lernen, mit dem Tod einverstanden zu sein. Schließlich war ja immer klar, dass ich sterben werde. Jetzt bin ich nicht nur einverstanden, ich freue mich sogar darauf. Ich habe viele Videos gesehen, in denen Leute ihr Nahtoderlebnis beschreiben. Das scheint mir authentisch und glaubwürdig zu sein. Demnach sind wir unsterblich. Nicht der Körper, aber das Bewusstsein.
erste Thema
Ich würde sagen, wir machen eins nach dem anderen. Die Besucher deiner Seite werden dich kennen, mich nicht. Wir beide haben vor 13 Jahren eine Reise nach Usbekistan gemacht. Mit meinem Auto. Danach haben wir uns noch mal in Thailand gesehen. Jetzt möchtest du, dass wir hier auf deiner Seite ein bisschen über uns und die Welt plaudern. Okay, erstes Thema: Ich bin nicht traumatisiert. Wie bist du auf die Idee gekommen?