Seit ein paar Mal mache ich Psychotherapie mit meinem Vater

Hier ein paar aus meiner Sicht interessante Aussagen (so wie ich sie sinngemäss verstanden habe):

X:

  • Wenn meine Frau mir etwas über Michel erzählte, fühlte ich mich unter Druck mit Michel zu schimpfen, weil ich dachte, dass das von mir erwartet würde. Ich wollte meiner Frau damit zeigen, dass ich auf ihrer Seite stand.

X+1:

  • Michel hatte sich ein schönes Leben aufgebaut. Sein Bruder gehorchte ihm auf Schritt und Tritt und auch meine Frau hat er manipuliert, so dass ich es als meine Aufgabe sah ihm eins auf den Deckel zu geben nachdem ich nach Hause kam.
  • ..meine Mutter ehhhh, meine Frau..

Ich han Angst. Das tuet mier Leid. MERCI VELLMAL. Bitte gern gscheh.

Nachricht an meine Eltern

Meine Gefühle gegenüber meiner Mutter sind stark ambivalent. Ich habe Angst, dass sie sich von mir abwenden. Deswegen möchte ich mich erklären – in der Hoffnung damit Verständnis zu schaffen..

Wie es ist

Ich empfinde starke Hassgefühle gegenüber meiner Mutter. Gegenüber meinem Vater nicht so starke, aber teilweise auch. Bei meinem Vater überwiegen vielleicht Angstgefühle von mir ihm gegenüber.

Wie es für mich war

Ich hatte als Kind Angst vor meinem Vater und diese Angst hatte keinen Platz. Oder anders gesagt, ich habe mich nicht gesehen gefühlt. Meine Angst habe ich deswegen verdrängt. Wenn mein Vater nicht da war, hatte ich ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter. Ihr gegenüber getraute ich mich wütend zu sein und ihr diese Wut auch zu zeigen. Wenn mein Vater mich verbal despektierlich behandelt hat, löste das bei mir wahrscheinlich zwei Gefühle aus: Angst und Wut. Vielleicht auch Trauer, aber ich möchte es jetzt so einfach wie möglich halten.

  • Angst
  • &
  • Wut

Meinen Vater gegenüber getraute ich mich in diesen Situationen weder Angst noch Wut zu zeigen. Also kann man sagen, dass ich diese Gefühle verdrängt habe und es für mich traumatisch war.

Solange die verbale Gewalt nur von meinem Vater ausging, liess mich das gefühlt kalt, weil ich sozusagen darauf eingestellt war. Es fühlte sich so an, wie wenn ich nicht selbst dort gewesen wäre.

Wenn aber meine Mutter auf die psychische Gewalt meines Vaters reagierte, triggerte das zumindest meine Wut, welche ihr gegenüber nicht oder noch nicht traumatisiert war. Deswegen wurde ich dann jeweils sehr wütend auf meine Mutter, obwohl sie mir mit ihrem Eingreifen eigentlich helfen wollte.

Vor meiner Mutter getraute ich mich immer mehr oder weniger wütend zu sein. Die Wut in ihrer Gegenwart war also nie ganz traumatisiert.

Wie es heute ist

Meiner Mutter gegenüber:

Ich verspüre ambivalent Hass- und Wutgefühle sowie Gefühle der Liebe sowie der Zuneigung. Deswegen erachte ich es als besser Abstand zu ihr zu halten – zu meinem und zu ihrem Schutz.

Meinem Vater gegenüber:

Ich vermute, dass viel Angst und Wut in seiner Gegenwart noch verdrängt sind. Um die Angst vor mir selbst (diesen Gefühlen) zu verlieren, mache ich mit meinem Vater eine Psychotherapie, welche auch schon gewirkt hat: Eine unheimliche Wut kam auf und ich konnte damit einem positiven Umgang finden. Doch das war vielleicht erst der Anfang…

Han ich Angst? Ja.

Gestern bei der Psychotherapie habe ich ziemlich starke Emotionen gezeigt. Ich habe beispielsweise geweint. Mein Vater hat dann seine Aussage wie zu rechtfertigen versucht. Aber auf meine Gefühle ist er in diesem Moment gar nicht eingegangen. Es schien mir so, wie wenn er versuchen würde meine Gefühle mit seinen Rechtfertigungen zum Verschwinden zu bringen.

Han ich Angst? Ja.

Vor ca. 0.5-1 Jahr haben meine Eltern in unterschiedlichen Situationen mir folgendes gesagt:

Vater: «Du bist nicht psychisch krank.»

Mutter: «Du musst unbedingt mehr Psychotherapie in Anspruch nehmen.»

Empfinde ich Wut? Ja.

Meine Mutter hat in der Woche vom 10. März 2025 folgende Dinge getan:

  • Meinem Psychiater geschrieben
  • Mich besucht, obwohl ich ihr gesagt habe, dass ich das nicht wolle
  • Mir unterstellt, dass ich mich umbringen wollte

Diese Aktionen haben meim Vertrauen in meine Mutter stark erschüttert.

Habe ich Angst? Ja.

Was ich mir wünsche:

Dass sie sagen, dass ich das, was ich mache gut mache und dass ich mir keine Sorgen machen müsse.

Han ich Angst? Ja.

Empfinde ich Trauer? Ja.

Will ich mich mit diesem Gefühl verbinden? Ja.

Empfinde ich Selbstmitleid? Ja.

Gut.

Das machst du gut. Du darfst das machen, was du tust.

Han ich Angst? Ja.

Der Traumatisierte Mensch

Ein Aufsatz von einem Betroffenen

Der traumatisierte Mensch redet von Donald Trump, spricht über Gaza, redet über Fussball, Politik – hat zu allem eine Meinung.

Heute leben wir in einem Zeitalter der Individualisierung. Der traumatisierte Mensch weiss das und versucht mit dem Strom mitzuschwimmen. Er besucht Achtsamkeitskurse und beschäftigt sich mit Joga und Meditation.

Anscheinend geht es darum irgendetwas zu fühlen. Der Traumatisierte nimmt ein Fernglas oder eine Lupe – je nachdem – und schaut in sich hinein. War da nicht etwas? Hat sich da nicht etwas geregt? Er ist sich völlig sicher, dass er jetzt glücklich sein muss oder so.

Der traumatisierte Mensch geht in die Psychotherapie. Eine Stunde lang Smalltalk führen ohne Alkohol ist nicht einfach.

Irgendwann ist er bereit über seine Gefühle zu reden. Eine wahre Verbindung zwischen Körper und Geist entsteht. Es dauert nicht Jahre, aber Jahrzehnte, bis die Angst vor seinen eigenen Gefühlen nachlässt.

Han ich Angst: Ja.

Meine Theorie am 11.5.2025

Heilen