Ich han Angst

Jedesmal, wenn ich meine Angst gezeigt habe, hatte ich Angst, dass mich meine Mutter vernachlässigen würde.

Jedesmal, wenn ich Wut gezeigt hatte, hat mir mein Vater wieder Angst gemacht.

Angst? JA? Bisch du da? JA

Was ist der Unterschied zwischen angstvermeidendem Verhalten und Selbstbewusstsein?

Angstvermeidendes Verhalten:

«Habe ich die Haustüre abgeschlossen?»

Selbstbewusstsein:

«Angst, dass ich die Haustüre nicht abgeschlossen habe? JA? Kann ich irgendetwas für dich tun? NEIN. Gut, dann will ich jetzt mal schauen, was Li macht. Er sitzt hier. Er darf das. Ich han ihn gärn. Ich bin lieb. Danke, dass ich in dier wohne darf.»

Ich han Angst

Mein Vater hat mich jahrzehntelang immer wieder abgewertet, gedemütigt und lächerlich gemacht. Sein Verhalten hat mir natürlich extrem Angst gemacht. Doch der eigentliche Missbrauch war der Folgende: Ich durfte der Mutter das nicht zeigen. Mit der Zeit hat das auch für mich so gestimmt, denn es war für mich einfach die Angst gegenüber meinem Vater zu verdrängen. Ich war es gewohnt. Solange also alle ihre Rolle gespielt haben, war also alles gut. Es schien so, denn die Angst holt mich ein.

Ich han Angst

Mein Vater will wieder etwas von mir. Mir wird fast übel. Es ist wieder dieses unglaublich ecklige Gefühl, das mir fast die Gurgel zuschnürt und das ich zu gut kenne. Nie wieder will und wollte ich es erleben und doch vergewaltigt er mich immer wieder. Ich muss etwas für ihn tun. Er verlangt etwas von mir. Er verlangt, dass ich ein Spiel mitspiele. Dieses Spiel heisst sei brav zu Mutti oder ich bring dich um. Ich empfinde Angst. Warum hört das nie auf. Ich kann mir das nur so erklären: Das Schicksal plagt mich ein weiteres Mal mit diesem Gefühl, weil es will damit ich dieses Trauma überwinden kann.

Ich han Angst

Ein Beitrag über Traumatisierung und Bettnässen

Ich schaue mir manchmal gerne Dokus oder Zeitzeugenberichte von ehemaligen Verding- oder Heimkindern an. Oftmals wird davon berichtet, dass die Kinder für das Bettnässen bestraft wurden. Diese Bestrafung löst meiner Meinung nach eine (zusätzliche) Traumatisierung der Angst aus. Denn meiner Meinung nach ist das Bettnässen eine Folge von Angst. In der Nacht lässt sich die Angst nicht mehr ‚verdrängen‘, sondern sie holt sich ihren Platz zurück. Bei Angst will der Körper flüchten und damit er schneller rennen kann, verliert er seinen Stuhl sowie seinen Urin. Die betroffenen Kinder konnten ihren Urin nicht halten. Es passierte während ihres Schlafes. Hätte man den Kindern (mehr) {Empfinde ich Wuet? Ja.} Liebe geschenkt, hätten sie weniger Angst gehabt und hätten dann meiner Meinung nach {Han ich Angst? Ja.} auch weniger bettgenässt. Aber wenn man sie sozusagen für ihre Angst noch {empfinde ich Truur? Ja.} bestraft, kriegen sie noch mehr Angst und auch noch mehr ‚Angst‘ vor der Angst. Dieser Prozess nenne ich ‚Angsttraumatisierung‘.

Auch ich glaube von einer ‚Angsttraumatisierung‘ betroffen zu sein. Erst seit wenigen Jahren bin ich dabei überhaupt erst zu erkennen, was für Gefühle ich habe. Ich rede hier nicht von Emotionen, sondern von Gefühlen. Gefühle sind meiner Meinung nach eine geistige Beschreibung von Emotionen. Sprich Gefühle sind eine Beschreibung des Geistes von Emotionen. Zuerst fiel mir das extrem schwer und fühlte sich extrem primitiv an. Aber ich habe immer weiter gemacht und konnte statt mit ‚Floskeldenken‘ mit ‚Fragendenken‘ mit einer statistischen Relevanz Unterschiede im Gefühlsempfinden feststellen. So habe ich gelernt meine Angst zu erkennen und zu benennen.

Übrigens, auch ich leide unter einem ähnlichen Problem wie das Bettnässen. Ich muss im der Nacht immer auf Toilette um wasserzulassen, aber meist kommt wenig bis nichts. Dieses Problem kenne ich seit ca. 2012. Ca. 2016 war ich deswegen sogar bei einem Urologen. Es sei physisch alles in Ordnung bei mir. Er hätte mir Medikamente geben wollen, aber die wollte ich nicht.