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Ich darf ANGST haben.

Ich habe mich diese Woche zum ersten Mal richtig mit den Jugoslawien-Kriegen der 1990er Jahre befasst.
Es ist schrecklich. Krieg kann jeden treffen. Krieg traumatisiert. Als traumatisierter Mensch kann man wiederum schreckliche Dinge tun.
Ich selbst habe als traumatisierter Mensch schreckliche Dinge gemacht. Ich hatte keine Empathie.
Was kann ich in der Zukunft machen, damit dieser Ort, unsere Welt, ein, ein klein bisschen, besserer Ort wird?
Ich kann jeden Tag wieder aufstehen und mich durch den Tag kämpfen. Einfach jeden Tag noch einen Tag leben. Mit all den Krisen und all den schlechten Gefühlen. Jeden Tag einen Tag mehr. Ich will mir meinen Gefühlen bewusst sein und so stark sein sie aushalten zu können. Darüber reden, aber mich nicht von ihnen leiten zu lassen. Dadurch, dass ich über sie rede, gebe ich ihnen den Platz, den sie benötigen. That’s it.
Dass ich damals (2011-2014) insgesamt fünf Mal zu Prostituierten ging, tut mir Leid. Prostituition ist meiner Meinung nach ein Beruf, welcher gegen die Menschenwürde ist. Falls ich eine Tochter hätte, würde ich mir einen anderen Beruf für sie wünschen.
Ich glaube an die Autonomie meines Körpers.
2010 ging ich nach der Arbeit zu einem Kollegen, welcher damals in Zürich sein Geschäft hatte. Ich ging einfach vorbei ohne mich vorher anzumelden. Wir redeten ein paar Minuten. Irgendwie fühlte ich mich herausgefordert und ich wollte herausfinden, ob ich zu einer Prostituierten gehen könnte. Ich weiss nicht einmal mehr, wie ich auf das Thema kam, aber auf einmal hatte ich dieses Ziel vor Augen. Ich glaube, dass ich vorher noch nie darüber nachgedacht habe. Aber vielleicht brachte er mich irgendwie auf die Idee und dann wollte ich mir sofort beweisen, dass ich das könne oder so. Auf alle Fälle ging ich schnurstracks zur Langstrasse und hatte CHF 100 mit. In einem Nebenquartier sah ich eine verdächtige Frau. Ich habe sie angesprochen und es hat sich dann herausgestellt, dass sie tatsächlich eine Prostituierte war und sie bereit war. Sie hatte oben ihre Wohnung oder so. Es war keine ‚Wohnung-Wohnung‘. Es war genau so eingerichtet für Sex. Ich weiss nicht, ob sie die Wohnung alleine bezahlte oder wie das genau lief. Alles war perfekt vorbereitet und es war der perfekte Ort. Ich glaube, dass es tatsächlich so ein rotes Licht gab.
Ehrlich gesagt, fand ich das eine tolle Erfahrung und mir war die Frau sehr sympathisch. Sie kam aus Litauen und ich fragte nach ihrer Nummer. Sie gab mir sie. Ich glaube, dass ich ihr nach ein paar Jahren tatsächlich einmal geschrieben habe.
Empfinde ich Trauer?
Ja.
Nachtrag am 17.7.2025:
Ich glaube, dass es 2011 gewesen ist und nicht 2010. Aber 100% sicher bin ich mir nicht. 90%.
Zwei Jahre später in Pattaya, Thailand. Ich suchte eine Bar in der ich ein bestimmtes Fussballspiel schauen konnte. Alles war draussen und es war ein angenehm warmer Abend. Ich fand eine passende Bar, trank ein Bier und schaute das Spiel. Irgendwie war es so, dass man so wie an einer Bar stand. Neben mir stand eine Frau. Sie war nett und wir redeten ein bisschen. Sie war älter als ich. Ich mochte sie. Am Ende des Abends fragte sie mich, ob sie zu mir in mein Hotel kommen dürfe. Ich überlegte kurz. Warum nicht. Ich fand sie wirklich nett, lieb… toll. Es war schön mit ihr. Es war eine gute Erfahrung.
Han ich Angst?
Ja.
Bereue ich es?
Nein.
Warum nicht?
Weil ich hoffe, dass es auch für sie eine gute bzw. schöne Erfahrung war. Es fühlte sich nicht falsch an, so wie beim dritten Streich gegen Ende des Aktes.
Empfinde ich Trauer?
Ja.
Hatte ich Sex mit ihr?
Ja.
Habe ich sie dafür bezahlt?
Ja.
Ich war in China. Nach einem ganzen Tag Sehenswürdigkeiten anschauen, war ich durstig oder hungrig. Ich glaube durstig. Also ging ich in einen kleinen Shop in der Nähe meines Hotels. Es war ein kleiner Laden mit Getränken, Chips und solchen Sachen. Neben der Verkaufstheke war ein Sofa. Darauf lag eine Frau. Sie schlief. Sie hatte einen grossen Ausschnitt. Ich nahm ein Getränk (Cola?) und wollte bezahlen. Die ältere Frau an der Theke zeigte auf die schlafende Frau. Sie gestikulierte. Ich verstand, dass die Verkäuferin ihre Zuhälterin war. Wir verhandelten den Preis. Danach wurde die Frau geweckt und ich durfte hinter die Ladentheke kommen. Ich wurde in eine Halle geführt. Es war eklig. Es war eine kleine Fabrikhalle oder so und es war nur Beton und so. Irgendwie gab es so etwas wie Vorhänge. Diese Vorhänge ermöglichten ein Mindestmass an Privatsphäre. Naja.
Muss ich den Rest auch noch erzählen?
Es war nicht so schön, weil ich mich beobachtet fühlte, aber ich hatte den Akt durchgezogen.
Draussen trank ich mein Getränk (Cola?) und ging zurück ins Hotel.
Bin ich ein Arschloch?
Nein.
Ich blieb mindestens noch eine Nacht in diesem Hotel. Das Zimmer war schimmlig und voller Kakerlaken. Als ich eines Abends um ca. 21.30 Uhr dem Boulevard richtung Hotel zurückging, sprach mich eine Frau an. Es war eine ältere Frau. Irgendwann verstand ich, was sie wollte. Sie wollte mir eine Prostituierte an die Hand geben. Ich handelte einen Preis mit ihr aus. Ich gab ihr das Geld. Sie sagte einer jungen Frau, dass sie mit mir gehen soll. Die Frau war wirklich jung. Auf jeden Fall viel jünger als ich. Wir haben nicht miteinander gesprochen. Auf dem Hotelbett ging es dann los. Ich fand es toll. Die junge Frau gefiel mir. Ihr gefiel das Ganze aber nicht. Sie fragte, ob ich schon fertig sei. War ich nicht. Ich wollte weitermachen, weil ich noch nicht fertig war. Sie musste also noch ein paar Minuten warten.
Was empfinde ich?
Empfinde ich Trauer?
Ja.
Empfinde ich Scham?
Ja.
Tut es mir Leid?
Ja.
Zurken hat mich gefragt, ob ich beim nächsten Mal wieder mit ihm nach Pattaya, Thailand mitkommen wolle. Wegen den süssen Girls.
Das hat bei mir wieder einige grundsätzliche Fragen aufgeworfen, welche ich aber nicht direkt beantworten möchte.
Stattdessen möchte ich mich weiterhin meiner eigenen Vergangenheit stellen, um festzustellen, was mein damaliges Verhalten jetzt bei mir auslöst:
Han ich Angst? Ja.
Irgendwann war ich alleine in Kasachstan. In Europa war eine grosses Fussballturnier im Gange. Und so ging ich mitten in der Nacht in die Lobby, der extrem preiswerten Unterkunft, um dort fernzusehen. Dort war eine Frau, liegend, halb schlafend, auf dem Sofa. Ich begann fernzusehen. Irgendwann machte sie mir verständlich, dass ich für Geld mit ihr Sex haben könne. Ich war dem nicht abgeneigt und schliesslich fand das Tauschgeschäft in meinem Hotelzimmer statt.
Empfinde ich Trauer?
Ja.
Sobald man aufhört daran zu glauben, dass man den KÖRPER kontrolliert/kontrollieren soll, kommen die Entzugserscheinungen in Form von Angst.
Mein Vater war traumatisiert. Das heisst er hat gewisse schlimme Dinge erlebt, die in zornig, traurig und Angst gemacht haben. Wenn ich nun als Kind diese Gefühle fühlte und er dies bemerkte, war das ein Problem für ihn, weil es ihn an seine eigene Trauer, seine eigene Wut und seine eigene Angst erinnerte. Also hat er mir Angst gemacht. Deswegen habe ich heute so viel Angst. Wieso? Weil mir diese, meine eigenen Gefühle Angst machen.
Weil mein Vater mir immer Angst gemacht hat, hatte ich immer Angst vor meinem Vater. Durch die eigene Traumatisierung meiner Gefühle hatte ich auch Angst vor meinen eigenen Gefühlen. Also hatte ich immer Angst.
Wenn man immer Angst hat, wie soll man diese überhaupt noch erkennen?
Danke Z.
Ich hatte gelernt meinen Körper zu dominieren. Es gab keine Freiheit mehr. Hat er etwas gemacht, hat mir das sofort Angst gemacht. Ich nahm die Zügel sofort wieder in die Hand und habe auf dumme Logik gehört.
Liebe Eltern, seid mir nicht böse..
Ich glaube, dass mir mein Vater, hinter dem Rücken meiner Mutter, immer wieder das Gefühl gegeben hat, dass mein Leben in seinen Händen ist und dass er dieses beenden kann. Es war subtil. Es machte mir Angst. Aber ich konnte meiner Mutter das nicht erklären, weil sie Angst selber nicht verstand. Also war die Angst nutzlos. Einmal fuhr ich mit meinem Vater nach Luzern. Wir sprachen über Suizid. Plötzlich beschleunigte er sein Fahrzeug und fuhr mit erhöhter Geschwindigkeit in Richtung einer Mauer. Ich habe lange nicht darüber gesprochen (bzw. jetzt ist es das erste Mal), weil ich schon ein Teenager war und ich nicht schwach erscheinen möchte.
Anmerkung im nachhinein:
Wenn ich mich recht erinnere, kann es sogar sein, dass ich es meiner Mutter erzählt habe. Ja, ich glaube, dass ich es ihr erzählt habe..
Was wäre, wenn ich vor etwas Angst habe und dann zu einer Person gehe und ihr sage, dass ich vor etwas Angst habe und diese Person mir dann sagt, dass ich keine Angst haben muss?
Entweder würde ich dieser Person glauben oder das zerstören, was mir Angst macht oder beides.
Habe ich Angst? Ja.
Man kann Angst haben lernen. Man sollte es lernen. Denn wenn man es nicht lernt, könnte folgendes passieren:
Man hat Angst, aber man weiss es nicht. Es ist wie wenn man einen Gast hätte, aber nichts davon weiss. Man könnte dem Gast keinen Kaffee, Tee oder sonstwas anbieten. Man kann nicht adäquat mit dem Gast umgehen. Dadurch wird die Angst nicht gelebt. Sie fliesst nicht. Sie wird gestaut. Zum Beispiel wird sie in ein grosses Fass gepackt. Angst zu haben ist sehr ermüdend. Wenn man aber nicht weiss, dass man Angst hat, kann man deren Ursache auch nicht bekämpfen. So wird man immer müder. Bis das Fass voll ist und es einfach nicht mehr geht.
Früher war ‚keine Angst haben‘ ein Überlebensmechanismus.
Heute ist ‚keine Angst haben‘ eine Suiziderklärung.
Es war alles interessant und ich begann die Reise zu geniessen. Seit dem Vorfall an der Wolga konnte ich mich öffnen. Nach zwei Städten im Nordwesten von Kasachstan ging es jetzt südwärts oder südostwärts. In dieser Region gab es teilweise gar keine Menschen. Eine menschenleere Steppe. Es gab keine Hügel und nichts. Es war 360 Grad nur das Wohnmobil und ich. Es war ein Gefühl als ob der Himmel ganz nah wäre.
Meine Mutter hat meinem Bruder einmal ein Bild eines sogenannten ‚Schweinehundes‘ geschenkt. Darauf abgebildet war der Kopf eines Hundes. Dieser trug eine Plastikmaske über der Schnauze, welche eine Schweinenase verkörperte. Ich weiss nicht genau warum meine Mutter meinem Bruder dieses Bild geschenkt hat. Vielleicht wollte sie ihm sagen, dass er seinen inneren Schweinehund überwinden kann. Wer weiss, vielleicht hatte mein Bruder ein Schweinehund in sich drin.
Wenn man als Kind vergewaltigt wird, dann glaubt man dem Vergewaltiger und beginnt sich selbst zu vergewaltigen. Wieso? Weil ansonsten die Vergewaltigung keinen Sinn macht.
Wir fuhren wieder auf guten Strassen nordwärts auf der westlichen Seite der Wolga. Bald kamen wir zu den Städten Saratow und Engels. Dort waren wir in einem McDonalds. Von nun an ging es ostwärts. Bald waren wir in Kasachstan. Kasachstan war anders als Russland. Orientalischer, muslimischer. Die Kamele waren das erste Zeichen, welches mir diesbezüglich ins Auge stachen.
Unterdrückte Gefühle können hervorgeholt werden, indem man die entsprechenden Gedanken teilt.
Dadurch entsteht ein Ventil.
Werden die unterdrückten Gefühle nicht ausgedrückt, werden sie immer mehr zu einem Problem. Sie nehmen unbewusst einen immer grösseren Platz im Hirn ein.
Dann, nachdem die unterdrückten Gefühle so viel Hirnleistung in Anspruch genommen haben, wechselt das Hirn von jetzt auf gleich die Hirnströme. Dies damit der Organismus sich auf etwas anderes konzentrieren kann. Es ist ein Schutzmechanismus. Der Schutzmechanismus besteht darin die Autobahnbrücke abzureissen und eine neue Fussgängerbrücke zu bauen.
Dies bedeutet, dass ein Persönlichkeitswechsel, mit tiefgreifenden Konsequenzen, vonstatten gehen kann.
Halluzinationen, Imaginationen etc. kann ich mir dadurch erklären, dass das Land auf der unbekannten Seite der Fussgängerbrücke noch unerforscht ist, und deswegen fehlerhafte Beobachtungen falsche Schlüsse zur Folge haben können.
Die Aufgabe meines Lebens ist es mein Trauma zu überwinden.
Mein Trauma ist es die Angst zu überwinden, dass ich umgebracht werde, wenn ich nicht das tue, was andere von mir verlangen.

Solange du deine Gedanken bekämpfst, solange bekämpfst du deine Gefühle.
Wenn du gegen deinen Alkoholkonsum kämpfst, kämpfst du wieder gegen deinen Körper. Gegen den, den du schon dein ganzes Leben gekämpft hast.
Ukraine war im Vergleich zur Schweiz ein rückständiges Land. Aber es war kein zerfallenes Land. So wie Russland. Ich bemerkte diesen Unterschied gleich nach der Grenze. Zurken fuhr in Richtung Wolgograd. Es war mein Wunsch diese Stadt zu sehen und Zurken war damit einverstanden. In Wolgograd angekommen, suchte sich Zurken zuerst, ein bisschen ausserhalb der Stadt, einen Schlafplatz. Ich machte mich sogleich auf die Stadt zu erkunden. Es war für mich sehr eindrücklich und interessant. Als ich spät abends, als es schon dunkel war, durch die dunklen und leeren Strassen der Stadt zog, hatte ich ein mulmiges Gefühl.
Am nächsten Tag fuhren wir irgendwann los. Ich kann mich nicht genau daran erinnern. Wir gingen auf die östliche Seite der Wolga und fuhren nordwärts. Ich fand es sehr interessant. Gerade weil es in diesem abgelegenen Gebiet so wenig Zivilisation gab. In meiner Erinnerung mussten wir die richtigen Wege richtiggehend suchen.
Doch die Wege wurden trotz all unseren Bemühungen immer schlechter und es gab wenig Bevölkerung. Immer wieder fuhren wir wieder gegen Ost oder West nur um immer wieder eine Strasse zu finden, welche gegen Norden zeigte. Irgendwann, nach ein paar Tagen, gaben wir auf.
Mir gefielen diese Tage. Ich empfand sie als Abenteuer und dieses suchte ich ja schliesslich.
Trotz allem gibt es zu diesem Kapitel noch eine andere Geschichte. Ich weiss nicht mehr genau wann sie passierte. Aber ich glaube, dass sie auf der östlichen Seite der Wolga passierte. Ich hatte Angst. Die Menschen hier schienen mir so anders und ich hatte Angst, dass wir erstens beobachtet würden und zweitens, dann in der Nacht, überfallen würden. Wir schliefen direkt an der Wolga. Doch ich wollte nicht im Auto schlafen und so nahm ich meinen Schlafsack und meine wichtigsten Dinge und Wertsachen mit und ging in den nahegelegenen Wald. Immer wollte ich das Auto noch im Blickfeld haben und verbrachte lange damit einen Lagerplatz zu finden. Es war eine kurze und erholungslose Nacht. An diesem Morgen hatte ich etwas erkannt: Ich muss es so nehmen wie es kommt. Ich muss mit den Wahrscheinlichkeiten eines Überfalls etc. leben. Weil ich ansonsten diese Reise nicht würde fortführen können.
Die Gedanken gehören Sche.
Der Körper gehört EL.
Der Patient* kriegt eine Sprechstunde bei einem Therapeuten*. Der Therapeut* hält sich zurück, so dass der Patient* Raum erhält seine Gedanken zu äussern. Dadurch, dass der Patient* seine Gedanken äussert und diese nicht abgewertet werden, fällt es dem Patienten* einfacher diese zu akzeptieren und anzunehmen.
* Die weibliche und die nonbinäre Form sind mitgemeint.
Wenn EL in der Gegenwart etwas macht, dann sage ich, dass es EL ist.
Wenn Sche in der Gegenwart etwas denkt, dann sage ich, dass es Sche ist.
Ich habe viel Angst. Diese Angst gilt es anzuerkennen. Sie ist da. Sie darf da sein. Die Angst ist mein Freund.
Die Angst kommt auch wenn ich erkenne, dass ich traurig oder wütend bin.
Früher mag das seine Daseinsberechtigung gehabt haben.
Aber heute muss ich nicht Angst davor haben mein Leben zu verlieren, wenn ich den Kontakt zu meiner Trauer oder zu meiner Wut herstelle.
Aber wie gesagt. Zuallererst gilt es die Angst zu akzeptieren. Sie ist mein Freund. Sie ist wie ein guter Geist, der sich um mich sorgt. Es ist wichtig sie schalten und walten zu lassen.
Han ich Angst?
Ja.
Das ist ok.
Ich bin stolz auf mich.
Sche ist der Inhalt meiner Gedanken.
Ich bin die Form meiner Gedanken.
EL ist der Körper.
Will ich mich mit dem Gefühl verbinden?
Ja.
Das ist gut so.
Ich bin stolz auf dich.
Am nächsten Tag fuhren wir weiter Richtung Osten. Aus irgendeinem Grund machten wir einen Halt in Luhansk. Wir waren offenbar mitten in der Stadt, aber äusserlich glich es einem Dorf. Wir waren wirklich schon genau dort und ich bat Zurken ein paar Minuten in der Stadt verbringen zu dürfen. Doch Zurken kannte kein Pardon und wollte sofort weiterfahren.
Als Kind musste Sche EL zügeln. Es war für ELs Sicherheit notwendig. Ich habe mich dann daran gewöhnt.
«EL darf tun, was er will. Es ist sein Leben. Er lebt nur einmal.»
Mi
«Sche darf denken, was er will. Es ist sein Leben. Er lebt nur einmal.»
Mi
Ooppss…!
Warum habe ich die Möglichkeit Sozialhilfe zu beziehen, meine Gesundheit zu frönen, gutes Essen zu kaufen, Zugang zu sauberem Wasser, Warmwasser, geheizte Wohnung und in Sicherheit zu leben?
Warum haben Milliarden von Menschen diese Möglichkeit nicht?
Vielleicht habe ich mehr Angst als andere.
Aber das spielt keine Rolle.
Was eine Rolle spielt, ist, dass ich mit meiner Angst arbeiten will. Denn diese Angst gibt meinem Leben einen Sinn.
Am Anfang wurde mein Körper vergewaltigt.
Dann habe ich meinen Körper selbst vergewaltigt.
Eine Theorie:
Wir können unsere Angst nicht beeinflussen.
Bin ich der Geist oder die Psyche?
Ich bin ich die Psyche.
Bin ich krank?
Nein.
Weisst du warum Demuth und Selbstbewusstsein Brüder sind?
Weil beides impliziert, dass man nicht alles kontrollieren kann.
Selbst ist der Körper.
Ich vertraue meinem Körper.
Ich habe Selbstvertrauen.
Gib deinen Gedanken Platz.
Ich habe viel Angst. Angst heisst Angst vor dem Sterben. Leute fragen mich warum ich so oft Angst habe.
Die Antwort ist, weil ich oftmals andere Menschen geschlagen oder abgewertet habe. Ich habe Angst zu sterben, weil ich keine Grenzen kenne.
Noch ein kleiner Nachtrag zum ersten Tag in der Ukraine. Wir sind mitten durch riesige Wälder gefahren. Ich liebe Wälder und die Wälder, welche es hier im Flachland der Schweiz gibt, sind so klein, dass ich mich wundere, dass es darin überhaupt Wild gibt. Klammer geschlossen.
Die Strasse wurde grösser, mehr Verkehr. Es ging gegen Kiew zu. Ganz scheu, versuchte ich Zurken zu verstehen zu geben, dass ich mir gerne die Stadt Kiew anschauen würde. Die Antwort war kurz:
«Ich mag keine Städte.»
Zurken, Reise 2012
Ich fühlte mich nicht gesehen und nicht gehört. Ich hatte für meine Reise drei Monate eingeplant und wollte nicht schon in einer Woche die Hälfte absolviert haben.
Gegen Abend erreichten wir Kiew, welches ich nur von der Autobahn ein bisschen erahnen konnte. Wir fuhren einfach daran vorbei. Zurken suchte uns einen Schlafplatz auf der anderen Seite des Flusses. Seine Idee: Hinter einer Tankstelle in einem Agglo-Gebiet. Dann kamen plötzlich zwei Männer und verwickelten uns in ein Gespräch. In schlechtem Englisch stellten sie eine normale Frage. Doch schon bald wurde uns die ganze Sache unheimlich, denn die Männer schienen gar nicht an uns interessiert gewesen zu sein. Kurz bevor es zu einem Handgemenge zwischen mir und einem der Männer kam, rannte ich weg zur Vorderseite der Tankstelle. Dort standen ein paar junge ukrainische Männer (ca.18-22 Jahre alt). Ich sagte ihnen hastig und bestimmt, dass ich sofort ihre Hilfe brauchte. Sie folgten mir sofort und so rannten wir alle gemeinsam hinter die Tankstelle. Dort war Zurken wahrscheinlich auch in Bedrängnis geraten. Den Campingtisch wieder im Auto. Zurken und ich springen ins Auto und düsen davon…
Ich bin diesen hilfsbereiten jungen Ukrainer bis heute unendlich dankbar für ihre Hilfe. Ich denke, dass, ansonsten, die Sache zumindest für Zurken hätte böse enden können.
Lieber Zurken, hast du zu meiner Version noch etwas hinzuzufügen?
Liebe Grüsse