Bei einem Missbrauch schwingt immer die implizite oder explizite Drohung eines Mordes mit.
Dies ist meine Theorie.
Bei meinem Vater kann ich mich in meiner Kindheit an keine explizite Todesdrohung erinnern.
Aber, als er, mit mir im Beifahrersitz (ich war im Teenageralter), mit dem Auto so tat, als würde er mit diesem gegen eine Wand fahren (inkl. Beschleunigung), tat er es. Damals war mir irgendwie klar, dass das grenzüberschreitend war, und ich erzählte es meiner Mutter, aber das half mir ungefähr so viel wie, wenn ich es einem Frosch erzählt hätte. Das Quacken dieses veränderte nichts am Missbrauch. Kein Wunder wenn die Mutter selbst emotional von meinem Vater abhängig war und im Gespräch mit mir ihn bis heute als ‚Dad‘ bezeichnet. Lustiger- oder tragischerweise bezeichnet er sie im Gespräch mit mir bis heute auch als ‚Mami‘. Die zwei verdienen einander. Ich verabscheue sie. Gegenüber meinem Vater fühle ich mich abhängig und verwechsle ihn mit mir selber, ich kann zwischen ihm und mir nicht unterscheiden – es gibt kein ich/mich – gegenüber meiner Mutter kommen Mordfantasien auf.
Wenn meine Eltern im Gespräch mit mir zu ihrem Partner jeweils als ‚Vater’/’Mutter‘ Bezug nehmen, ist das so, wie wenn ich im Gespräch mit ihnen meinen Bruder als ‚Sohn‘ bezeichnen würde. Ich kann mir nicht vorstellen das zu machen.
