Han ich Angst? Ja.

Der Traumatisierte Mensch

Ein Aufsatz von einem Betroffenen

Der traumatisierte Mensch redet von Donald Trump, spricht über Gaza, redet über Fussball, Politik – hat zu allem eine Meinung.

Heute leben wir in einem Zeitalter der Individualisierung. Der traumatisierte Mensch weiss das und versucht mit dem Strom mitzuschwimmen. Er besucht Achtsamkeitskurse und beschäftigt sich mit Joga und Meditation.

Anscheinend geht es darum irgendetwas zu fühlen. Der Traumatisierte nimmt ein Fernglas oder eine Lupe – je nachdem – und schaut in sich hinein. War da nicht etwas? Hat sich da nicht etwas geregt? Er ist sich völlig sicher, dass er jetzt glücklich sein muss oder so.

Der traumatisierte Mensch geht in die Psychotherapie. Eine Stunde lang Smalltalk führen ohne Alkohol ist nicht einfach.

Irgendwann ist er bereit über seine Gefühle zu reden. Eine wahre Verbindung zwischen Körper und Geist entsteht. Es dauert nicht Jahre, aber Jahrzehnte, bis die Angst vor seinen eigenen Gefühlen nachlässt.

Eine Theorie

Ich liebte meinen Vater und meine Mutter. Wenn mein Vater nicht da war, hatte ich eine gute und schöne Beziehung zu meiner Mutter. Wenn mein Vater da war, musste ich verständnisvoll und rücksichtsvoll ihm gegenüber sein, weil er ja eine schwere Kindheit hatte. Dies hat mir meine Mutter jeweils gesagt. Mein Vater hat nie gesagt, dass er eine schwere Kindheit hatte. Aber wenn er da war, änderte sich jeweils die Sachlage: Meine Mutter ignorierte mich und schenkte meinem Vater ihre ganze Aufmerksamkeit. Von wie mich mein Vater behandelt hat: Unter jeder Sau. Für ihn war ich auch bloss ein Konkurrent um die Liebe meiner Mutter.

Heute leide ich unter einer Schizotypischen Persönlichkeitsstörung.

Empfinde ich Wut? Ja.