Gedanken zu Folgen von Missbrauch
Ich habe dem Buch ‚Nobody’s Girl‘ (Infos dazu auf Bild unten) eine Information entnommen.

Diese Information ist, dass die Protagonistin, nachdem sie von ihrem Peiniger am Vortag missbraucht wurde, am Folgetag wieder zu ihm gegangen ist, obwohl sie diesen am Vortag erst kennengelernt hat.
Wie will ich mir dieses Verhalten erklären?
Hier sind ein paar Ideen:
- Sie war sich zu diesem Zeitpunkt fast nur Missbraucher gewöhnt und im Vergleich zu den anderen war dieser nicht so schlimm.
- Sie ‚wollte‘ sich weiter missbrauchen lassen, um dabei in Kontakt mit ihren verdrängten Gefühlen zu kommen.
- Es wurde ihr aufgetragen am nächsten Tag wiederzukommen bzw. sie wurde gefragt, ob sie am nächsten wiederkomme.
Gegen Punkt Nummer 1 spricht, dass sie für kurze Zeit in einem anscheinend nicht missbrächlichen Umfeld gewesen ist und dieses freiwillig verlassen hat.
Klar, Punkt Nr. 2 klingt krass, aber manchmal denke ich das bei mir selbst, wenn ich an meinen Arbeitgeber denke: Ich weiss, dass ich als Kind von meinem Vater emotional missbraucht wurde, mit der Konsequenz, dass ich aufgrund Todesangst diverse Gefühle verdrängt habe. Nun weiss ich, dass ich diese Gefühle verdrängt habe, ich weiss, dass ich sie zukünftig nicht mehr verdrängen will. Nun kommt jemand Ähnliches wie mein Vater und versucht das Gleiche mit mir zu machen. Nun erkenne ich die Situation als Erwachsener, kann meine Gefühle beschützen {Ich han Angst. Das tuet mier Leid. SCHO GUET. DANKE. Bitte gern gscheh. Chan ich öppis für dich mache? NEI, ISCH GUET MERCI.} und behalten und dabei mein altes Trauma wiedererleben, aber dieses Mal als Erwachsener, der bemerkt, dass mein Chef mich gar nicht tötet, obwohl ich die Gefühle nicht verdränge und erhalte dabei noch Geld (Lohn) plus kann mir das Geld für eine Traumatherapie sparen. Ok, jetzt übertreibe oder beschönige ich vielleicht..
Zu Punkt Nr. 3:
Sie getraute sich nicht Nein zu sagen, weil ein Nein heissen könnte, dass sie Angst davor hat. Und diese Vorstellung löste Todesangst in ihr drin aus, denn Angst zu haben bedeutet nicht nur diese Angst zu haben, sondern es bedeutet auch sich mit all der bisher verdrängten Angst zu verbinden. Also sah sie sich sozusagen gezwungen immer all jene Entscheidungen zu treffen, welche möglichst angstfrei wirken. Man kann sozusagen sagen, dass sie Angst vor ihrer Angst hatte oder dass sie ein Sklave ihres Mutes wurde.